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Schweigen

In der letzten Ausgabe der Zeit öffnet ein Artikel über Maggie Simpson mit dem schönen Satz:

Die amtierende Welt ist eine, in der sich alle ständig mitteilen, oft erstaunlich unbelastet von der Frage, ob es überhaupt etwas zu sagen gibt.

Das wird einer der Gründe sein, warum es hier in diesem Blog so wenig zu lesen gibt. Ich frage mich. Habe ich etwas beizutragen oder befülle ich nur die Kakophonie des Beliebigen und Halbgewalkten, die uns ertränkt und unglücklich macht.

Im Herbst diesen Jahres stolperte ich durch ein kleines lokales KI-Gipfelchen und dessen Hauptvortrag. Der Redner beschrieb wie er jetzt mit der Hilfe von KI einen ganz unglaublichen Output hinlegt und zielte damit auf seine Artikel bei LinkedIn und anderswo ab. Ich habe sie nicht gelesen. Sie interessieren mich nicht. Wenn sie mich interessieren würden, würde ich KI benutzen, um sie für mich zusammenzufassen, weil ich unmöglich so viel lesen möchte.

Videos auf YouTube erschöpfen mich. Ihre Aufgeregtheit hält mich ab. Ich spreche hier von Tech-Videos. Ich übergehe sie, sobald ich die Aufmerksamkeit heischenden Grimassen im Videofoto sehe, selbst wenn mich das Thema interessiert. Wenn es mich wirklich interessiert und es den Inhalt nicht irgendwo in Textform gibt, dann ist es doppelte Geschwindigkeit oder hoffentlich demnächst die KI-Zusammenfassung des KI-aufgeblähten Videos, damit ich nicht eine Stunde meines Lebens mit etwas vertue, das in fünf Minuten gesagt ist.

Warum, um zum eröffnenten Zeitsatz zurückzukommen, wird so wenig darüber gesprochen, dass immerfort posaunt wird, obwohl es nichts zu sagen gibt. Und ich wollte zum Jahresausklang gar nicht die Tirade in die Tasten tippen, die nun — fast unausweichlich, möchte man denken — auf dem Bildschirm steht.

Im Zweifel besser schweigen.